Freitag, 6. August 2010

"Wawa Wasi"


Hallo,

nachdem in der letzen Nacht das "Bierhaus", eine örtliche Disko, standesgemäß gerockt wurde, stellte sich das Aufstehen dementsprechend als schwierig heraus, da es auch diesen Morgen um 7:30 los ging. Nach Frühstück und Morgenimpuls mit den Tintenos ging es mit dem Workshop heute zum Thema "Frauenrechte" weiter. Judith und Friederike stellten die Geschichte und aktuelle Situation in Deutschland vor, danach hörten wir dazu etwas aus peruanischer Sicht. Nach der obligatorischen Kaffeepause, heute mit Pizza, ging es mit einer kleinen Diskussion und dem Zugang zu Bildung in Peru allgemein weiter. Anschließend wurde wieder gegessen (Diäten nach der Wiederkehr sind schon in der Planung).
Im Bus

Nach dem Essen folgte eine Exkursion zu einem sogenannten Wawa Wasi (Quetchua für Kinderhaus), quasi ein Kindergarten für Kinder von 7 Monaten bis 3 Jahren. In einem leicht überfüllten Bus machten wir uns auf den Weg nach Callao, einem etwas ärmeren Stadtteil in dem sich das Wawa Wasi befindet. Dort erwartete uns eine freundliche Delegation aus den hauptamtlichen Mitarbeitern der Einrichtung die uns herzlich begrüßten und uns in Gruppen durch die Räumlichkeiten führten. Dabei erklärten sie uns ihr Prinzip der intensiven Mitarbeit der Eltern, sowohl als bspw. Hersteller für Spielzeug als auch als ehrenamtliche Erzieher. Allerdings wurde unsere Aufmerksamkeit eher von den wahrlich süßen Kindern in Anspruch genommen. In ihren Miniponchos eroberten sie unsere Herzen im Sturm und schauten uns an, als wären wir Aliens. Die Aufmerksamkeit der Kinder war besonders auf unsere Fotoapparate gerichtet; das durfte Christiane zu ihrer Freude am intensivsten erfahren.
Kindergartengruppe

Am Ende der Führung erwartete uns mal wieder ein Essen, diesmal das, das auch die Kinder bekommen. Dieses bestand aus Schokocreme mit Hühnerblut, gebackene Teigtaschen mit Leberfüllung und Kleister (unidentifizierbare, dickflüssige Saftmischung), schmeckte aber besser als es klingt. Schließlich fuhren wir mit dem Bus durch den Berufsverkehr in Lima zurück zu unserer Unterkunft. Friederike musste ihre Reichtümer noch in die örtliche Landeswährung umtauschen, andere mussten Telefonkarten kaufen oder an Bankautomaten Geld abheben. Wieder gab es einen kleinen Kulturschock, weil ein ordentliches Sümmchen einfach auf der Straße gewechselt wurde, ein Vorgang, der in Peru total normal, aber für unsere deutschen Verhältnisse doch ein wenig komisch ist. Mit prall gefüllten Taschen kehrten wir pünktlich zum Abendessen zurück, bei dem es zu einer Kuchenschlacht kam, die Sebastian dank dreckiger Tricks gegen Monika und Julia gewann.
Gruppenbild

Mit einem letzten Abschlussgespräch und Einüben deutscher Lieder und Tänze für Tinta endete ein mal wieder gelungener Tag.

Bis bald, liebe Grüße
Eure Perufahrer
(i.A. Sebastian, Mathis, Christiane)

Donnerstag, 5. August 2010

Erste Grüße aus Peru

Unsere Unterkunft
Hallo,

hier ist endlich unsere erste Nachricht aus Peru. 6 Leute versuchen gerade einen vernünftigen ersten Eintrag zu fabrizieren, aber wir gehen erstmal chronologisch vor.

Zu früher Stunde trafen sich 10 wagemutige Perufahrer am Karlsruhe HBF, um die erste Etappe im Gott sei Dank klimatisierten ICE nach Frankfurt Flughafen anzutreten. Nach einer ruhigen Fahrt mit letzten Instruktionen von Friederike kamen wir am Flughafen an und sammelten unsere letzten 3 Nachzügler auf. Die großzügig berechnete Wartezeit wurde durch Auseinandersetzung mit der modernen Technik (Check-In Automat) und altmodisches Anstehen bei der Gepäckabgabe und Sicherheitskontrolle aufgebraucht. Manuel verabschiedete sich vorläufig Richtung Houston, der Rest der Gruppe machte sich auf nach Caracas. Die ersten 10 Stunden Flug vergingen wie im Flug(zeug) dank des Entertainmentsystems, besonders hervorzuheben ist hier der Film "Mit dir an deiner Seite", der einen Großteil der weiblichen Teilnehmer zu Tränen gerührt hat. Nach einem kurzen Aufenthalt in Caracas und einer Begegnung mit der tropischen "Luft" ging es weiter mit TACA-Airlines nach Lima. Auf dem Flug holte der Jetlag viele ein und Schlaf war die bervorzugte "Aktivität". Nur Hans-Jörg, Mathis und Sebastian kloppten eine Runde Skat nach der anderen und Judith war völlig begeistert von einem Pferdefilm auf dem Hello-Kitty Computer ihrer Nachbarin.
Nach dem also nicht allzu anstrengenden Flug landeten wir in Lima. Nach langwieriger Passkontrolle durften wir einreisen und mussten leider feststellen, dass trotz aller Hoffnung nicht alles Gepäck angekommen war. Judiths Gepäck war leider doch nicht bis nach Lima durchgekommen, sondern noch in Caracas. Danach wurden wir von Omar und Edu begrüßt und aufgrund der Müdigkeit (wir sind schließlich 22h unterwegs gewesen) war die Freude nicht soooo groß, endlich angekommen zu sein, sondern der vorherrschende Wunsch war ein Bett. Von Edu in Großraumtaxis gepackt, bekamen wir den ersten Eindruck des nächtlichen Limas, inklusive der Warnung, die Rucksäcke am besten auf den Boden zu stellen und nicht sichtbar auf dem Schoß zu lassen. Bald erreichten wir unsere Unterkunft, aßen unsere ersten peruanischen Früchte (Granadillas, Platanos de la Isla,...) und bezogen unsere Zimmer. Relativ zügig danach gingen wir schlafen.

Am nächsten Tag freuten wir uns darüber, dass auch Yvonne und Manuel angekommen waren, leider Manuel auch ohne Gepäck. Nach Ausschlafen (Franziska bis 12:30)und Frühstück mit leckeren peruanischen Früchten und Saft ("Wie heißt denn der 'Hugo' da?") erkundeten wir die nähere Umgebung oder besuchten die deutsche Gemeinde Limas. Kurz nach dem Mittagessen kamen auch die Tintenos an. Nach einer kurzen Besprechung der deutschen Gruppe gab es das erste Kennenlernen mit dem obligatorischen Kennenlernspiel, dieses Mal mit einer gewissen körperlichen Anstrengung. Nach uns selbst lernten wir Miraflores, ein Stadtviertel von Lima, kennen. Edu diente als Reiseleiter und Taxiorganisator, handelte die Preise der Taxis runter und erklärte uns etwas vom Stadtteilrathaus und einer Kirche, die "wegen irgendwas berühmt ist". Allerdings konnte er uns immer was zu Essen empfehlen und zwar immer "das Beste der Stadt". Nach dem Durchwandern eines kleinen Marktes, an dem Christiane ihr Babyalpaka ("very smooth") kaufte und alle die peruanischen Mützen bewunderten, machten wir uns in Richtung Larcomar auf, einem Einkaufszentrum mit wunderschönem Blick über den Pazifik, den wir leider nicht genießen konnten, da es schon dunkel war. Edu versorgte uns auf dem Weg weiterhin mit typisch perunischen Snacks, wie Bananenchips und Chaplins (Kekse). In Larcomar bewunderten wir die Shoppingvielfalt, die allerdings sehr amerikanisch geprägt war, und Omar wurde von Christiane fast zu Tode erschreckt - Lima ist halt doch nicht Karlsruhe. Nach dem Windowshopping hatten wir alle Hunger und Edu wollte uns in das beste Restaurant für Pollo (Hühnchen) bringen, allerdings gab es Missverständnisse mit den Taxifahreren, sodass wir leider doch nicht im besten Restaurant landeten, aber das Hühnchen stellte unseren peruanischen Feinschmecker zufrieden, die Pommes taten es leider nicht. Nach der kurzen, aber erfolglosen Suche nach einem Internetcafe, um hier was zu schreiben, die uns aber einen guten Einblick in die Lebenswelt Limas gab (Manuel hätte am liebsten die halbe Einkaufsstraße gekauft und gegessen), ließen wir den Abend mit einem gemeinsamen Bier ausklingen und begrüßten Monika, sodass wir endlich als Gruppe vollständig waren.

Am folgenden Tag wurden wir liebevoll von Friederike um 7:30 geweckt, Sebastian sogar zweimal. Nach einem Frühstück mit Erdbeershake und einem Morgenimpuls von Anika und Julia gingen wir zum ernsthaften Teil der Reise über, dem Workshop mit der Universidad Catholica. Nach einer Begrüßung von Salomón Lerner, dem Präsidenten des Instituts für Menschenrechte und Leiter der Wahrheitskommission, stellten sich die einzelnen Gruppen, die Studenten der Universität, die Tintenos und wir, vor. Yvonne übernahm als Gemeinderatsvorsitzende die Vorstellung der KHG mit Sebastian als Model. Nach dem Mittagessen hörten wir einen Vortrag über die Situation der Bildung in Peru. Aufgrund der Sprachbarriere mussten Edu, Omar und Claudia, eine deutsche Freiwillige aus Lima, übersetzen, obwohl wir natürlich alle perfekte Spanischkenntnisse haben (sollten).
Etwas verspätet ging es dann zum Abendessen (Kürbissuppe und Spaghetti Bolognese) über. An unseren multikulturellen Tischen wurde viel gelacht! Nach einem Aufwärmspielchen, dem klassischen Flaschendrehen mit Tanz-, Gesangs- und Gedichtseinlagen, ging es in das Viertel "El Barranco", einem Vergnügungsviertel hier in Lima. Die Musik wird hier so laut aufgedreht, dass die Lautsprecher scheppern! Nach diesem ausgefüllten Tag fallen alle todmüde ins Bett und freuen sich auf morgen.

Bis dahin viele liebe Grüße.
Eure Perufahrer
(i.A. Sebastian, Mathis und Christiane)